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U3.1 Fläche wertvoller Naturräume

Für Nachhaltigkeit erforderliche Entwicklung: Zunehmen

Tatsächliche Entwicklung

Seit 2003 Seit 2015
Der Anteil der wertvollen Naturräume an der Kantonsfläche hat seit 2003 stetig zugenommen. grün grün

Aussagekraft

Der Indikator weist die Summe geschützter Flächen wie Naturschutzgebiete, Biodiversitätsförderflächen (BFF) und Waldreservate in Prozent der Kantonsfläche aus.

 

Daten rund um den Indikator

Kommentar

Der Anteil der wertvollen Naturräume an der Kantonsfläche hat von 1,4 % im Jahr 2003 auf 4,0 % im Jahr 2017 zugenommen. 2017 zählten im Kanton Thurgau 4‘000 ha zu den wertvollen Naturräumen. Den grössten Anteil machten dabei mit gut 1‘800 ha die Waldreservate aus. Seit 2003 haben diese um rund 1‘600 ha an Fläche dazugewonnen. Diese Zunahme hängt mit der Unterschutzstellung der vom Bund bezeichneten Auengebiete und der Umsetzung des kantonalen Waldreservatskonzepts zusammen. Dieses sieht einen Anteil der Waldreservate von 10 % an der kantonalen Waldfläche von 20‘000 ha vor. Damit soll auch dem Zielwert für die Zertifizierung nach FSC nachgelebt werden.
Neben den Waldreservaten zählen auch Biodiversitätsförderflächen mit botanischer Qualität (Qualitätsstufe II) zu den wertvollen Naturräumen. Sie nahmen gegenüber 2003 um 1‘000 ha auf knapp 1‘400 ha zu. Gründe dafür dürften Änderungen in der Agrarpolitik (erhöhte Beitragssätze, zusätzliche BFF-Typen), die Einführung von Labels wie IP-Suisse zur Förderung einer ökologischen Landwirtschaft, die Beratungstätigkeit durch den Kanton im Zusammenhang mit dem Vernetzungsprojekt sowie eine steigende Akzeptanz der Biodiversitätsförderflächen bei den Bauern allgemein sein.
Die Fläche der Naturschutzgebiete von nationaler und kantonaler Bedeutung betrug 2017 knapp 800 ha und ist damit seit 2003 konstant geblieben. Die Naturschutzgebiete von kommunaler Bedeutung konnten aufgrund der fehlenden Datenverfügbarkeit noch nicht berücksichtigt werden.

Die wertvollen Naturräume stellen einen Lebensraum für eine Vielfalt von Pflanzen- und Tierarten dar und tragen damit zum Erhalt der Biodiversität bei. Zudem bieten sie einen Erholungsraum für Menschen und sorgen für eine vielfältige und attraktive Landschaft.

Definition

Anteil der geschützten Flächen im Verhältnis zur Kantonsfläche (inkl. Bodensee). Die geschützten Flächen bilden die Summe von:

A) Naturschutzgebiete von nationaler und kantonaler Bedeutung mit effektivem Flächenschutz (grundeigentümerverbindlichem Schutz und Schutz durch Vertrag mit dem Eigentümer oder Bewirtschafter)

Die folgenden Flächen werden berücksichtigt:
1) Biotope von kantonaler (=regionaler) Bedeutung
2) Biotope von nationaler Bedeutung:

  • Flachmoore
  • Hochmoore
  • Moorlandschaften
  • Auen
  • Amphibienlaichgebiete
  • Trockenwiesen und -weiden (TWW)

Die folgenden Flächen werden nicht berücksichtigt:

  • Landschaftsschutzzonen
  • Naturschutzgebiete von kommunaler Bedeutung werden vorerst nicht berücksichtigt

B) Ab 2015: Biodiversitätsförderflächen (BFF) gemäss der Direktzahlungsverordnung (DZV), welche die Kriterien zum Bezug von Qualitätsbeiträgen der Qualitätsstufe II erfüllen und schon in der ÖQV berücksichtigt wurden. Dazu gehören:
• Extensiv genutzte Wiesen
• Wenig intensiv genutzte Wiesen
• Extensiv genutzte Weiden
• Waldweiden
• Streueflächen
• Hecken, Feld- und Ufergehölze
• Rebflächen mit natürlicher Artenvielfalt
• Hochstamm-Feldobstbäume

Nicht berücksichtigt sind artenreiche Grün- und Streuflächen im Sömmerungsgebiet, welche gemäss DZV ebenfalls zu Qualitätsbeiträgen der Qualitätsstufe II berechtigen.

Die Daten aus den Jahren vor 2014 beinhalten landwirtschaftliche Vertragsflächen, welche die Qualitätskriterien gemäss Öko-Qualitätsverordnung (ÖQV) erfüllen. Die Vergleichbarkeit zur DZV ist gegeben.

Es werden sowohl Flächen innerhalb als auch ausserhalb der Vernetzungskorridore berücksichtigt (im Unterschied zu Cercle Indicateurs, wo Flächen innerhalb der Vernetzungskorridore nicht berücksichtigt werden). BFF die zu den Naturschutzgebieten gehören, werden hier nicht mitgezählt.

C) Waldreservate (Naturwaldreservate und Sonderwaldreservate)

Grenzen der Aussagekraft

Bei der Interpretation der Ergebnisse muss beachtet werden, dass der Indikator ausschliesslich die geschützten Naturräume erhebt. Bestimmte Flächen, die einen erhöhten ökologischen Wert aufweisen, jedoch nicht geschützt sind, werden vom Indikator nicht wiedergegeben. Umgekehrt können bestimmte Räume geschützt sein, damit sich ihr ökologischer Wert erhöht. Diese werden vom Indikator gezählt, obschon sie zum Zeitpunkt der Erhebung keinen besonders hohen ökologischen Wert aufweisen.

Verwandte Indikatoren

U1.1 Siedlungsfläche pro Einwohner
U1.4 Biodiversität
U1.2.a Anteil natürlicher/naturnaher und wenig beeinträchtigter Fliessgewässer
U1.2.b Fliessgewässerqualität
Kontextindikatoren "Umwelt"

Weitere Informationen

Amt für Raumentwicklung Kanton Thurgau
Natur und Landschaft (Naturschutzgebiete und BFF)

Landwirtschaftsamt Kanton Thurgau
Direktzahlungen

Forstamt Kanton Thurgau
Thurgauer Wald

Bundesamt für Statistik
Arealstatistik
Cercle Indicateurs

Bundesamt für Raumentwicklung
Cercle Indicateurs