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W3.2 Nettoschuld pro Einwohner

Für Nachhaltigkeit erforderliche Entwicklung: Abnehmen oder halten

Tatsächliche Entwicklung

Seit 2002 Seit 2016
Die Nettoschuld wurde nach der Jahrtausendwende vollständig abgebaut. Seit einigen Jahren verfügen Kanton und Gemeinden über ein Nettovermögen. Auf eine Beurteilung der kurzfristigen Entwicklungsrichtung wird während der Übergangszeit vom Rechnungslegungsmodell HRM1 auf HRM2 verzichtet (vgl. „Grenzen der Aussagekraft“). grün grau

Aussagekraft

Die Nettoschuld pro Einwohner gibt an, in welchem Mass der Kanton und die Gemeinden gegenüber Dritten verschuldet sind. Eine höhere Verschuldung schränkt die Handlungsfähigkeit auf zukünftige Herausforderungen ein. Eine hohe Staatsverschuldung deutet zudem auf mögliche Steuererhöhungen und/oder eine Minderung der staatlichen Leistungen in der Zukunft hin.

 

Daten rund um den Indikator

Kommentar

Der Kanton und die Gemeinden bauten ihre Nettoschuld nach der Jahrtausendwende vollständig ab, im Jahr 2008 schafften sie den Sprung zu einem Nettovermögen.
Dazu trug beim Kanton wesentlich der Sonderertrag aus den Goldreserven der Nationalbank im Jahr 2005 bei. Dank positiver Abschlüsse der Staatsrechnung in den Folgejahren wurde das Nettovermögen des Kantons bis zum Jahr 2011 auf gut 1‘200 Franken pro Einwohner gesteigert. Aufwandüberschüsse in der Staatsrechnung (insbesondere durch steigende Gesundheitskosten) bewirkten danach einen teilweisen Abbau. Dank der dem Kanton im Rahmen des Börsengangs der Thurgauer Kantonalbank in den Jahren 2014 und 2015 zugeflossenen Mittel erhöhte sich das Nettovermögen 2014 und 2015 wieder. Im Jahr 2017 hatte der Kanton ein Nettovermögen von 1‘451 Franken pro Einwohner.
Auch die Politischen Gemeinden bauten ihre Nettoschuld vollständig ab und verfügen seit dem Jahr 2008 über ein Nettovermögen. Dieses erreichte im Jahr 2010 mit gut 320 Franken pro Einwohner seinen vorläufigen Höhepunkt und nahm danach wieder ab. Im Jahr 2017 besassen die Politischen Gemeinden ein Nettovermögen von 250 Franken pro Einwohner. Dies sind etwas mehr als im Vorjahr. Allerdings entsteht diese positive Entwicklung aus Gewinnen bei der Neubewertung des Finanzvermögens im Rahmen der Umstellung auf HRM2. Gemäss HRM2 muss das Finanzvermögen zum Verkehrswert bewertet werden. Die Gemeinden haben dadurch Neubewertungsreserven von 111 Millionen Franken gebildet. Ohne diese Neubewertungen hätten die Politischen Gemeinden im Schnitt eine Nettoverschuldung von 186 Franken pro Einwohner.
Die Schulgemeinden verbesserten ihre Verschuldungssituation seit der Jahrtausendwende ebenfalls deutlich. 2001 standen sie insgesamt noch mit einer Nettoschuld von über 1‘500 Franken pro Einwohner da. Diese wurde bis 2017 auf rund 640 Franken pro Einwohner abgebaut.
 

Definition

Der Indikator zeigt die Summe aus Nettoschuld des Kantons, der Politischen Gemeinden und der Schulgemeinden, dividiert durch die ständige Wohnbevölkerung.

Nettoschuld Kanton:
Fremdkapital - (Finanzvermögen + nicht abzuschreibendes Verwaltungsvermögen)
Nettoschuld Politische Gemeinden und Schulgemeinden:
Fremdkapital - Finanzvermögen

Grenzen der Aussagekraft

Zwischen den Rechnungsjahren 2014 und 2018 (1 Gemeinde mit Ausnahmebewilligung erst 2019) stellen die Thurgauer Gemeinden schrittweise vom bisherigen Rechnungslegungsmodell HRM1 auf das neue Rechnungslegungsmodell HRM2 um. In HRM2 werden die Bewertungsgrundsätze für das Finanzvermögen strenger gehandhabt. Es ist davon auszugehen, dass beim Übergang von HRM1 auf HRM2 stille Reserven aufgelöst werden. Der schrittweise Übergang der Gemeinden zu HRM2 bewirkt damit in der Tendenz eine Verringerung der ausgewiesenen Nettoschuld. Aus diesem Grund wird während der Übergangsphase auf HRM2 auf eine Bewertung der kurzfristen Entwicklungsrichtung verzichtet.

Eine gewisse Verschuldung kann gerechtfertigt sein, wenn ihr als "Gegenwert" entsprechende Investitionen gegenüberstehen. Die Interpretation der Nettoschuld pro Einwohner muss deshalb zusammen mit dem Investitionsanteil erfolgen. Der Investitionsanteil zeigt die Bruttoinvestitionen in Prozent der konsolidierten Ausgaben (HRM1) bzw. in Prozent der Gesamtausgaben (HRM2). Der Investitionsanteil ist in der Excel-Datei "Daten rund um den Indikator" enthalten, je separat für den Kanton, die Politischen Gemeinden und die Schulgemeinden.

Verwandte Indikatoren

Kontextindikatoren "Wirtschaft"

Weitere Informationen

Kantonsfinanzen
Dienststelle für Statistik Kanton Thurgau
Finanzverwaltung Kanton Thurgau

Gemeindefinanzen Politische Gemeinden
Dienststelle für Statistik Kanton Thurgau
Finanzverwaltung Kanton Thurgau ("Gemeinderechnungswesen (HRM1)", "HRM2-Gemeinden")

Opensource Gemeindefinanzstatistik beedata
HRM1-Gemeinden
HRM2-Gemeinden

Amt für Volksschule Kanton Thurgau
Schulfinanzen